Schreiben

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Mittwoch, 4. Oktober 2017

Entgegen aller Vernunft von Emilia Doyle

Das Buch zu lektorieren war sehr spannend. Ich bewunderte während der Arbeit die große Kenntnis zur Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs der Autorin. Farbig wird auch die Zeit der Sklaverei geschildert, die Selbstverständlichkeit, mit der die Plantagenbesitzer die Schwarzen als Eigentum betrachten.
Vor diesem Hintergrund findet eine bittersüße Liebesgeschichte statt.

Wir hatten eine gute Zeit, danke dafür!



Klappentext:
Roman über eine Liebe in den Südstaaten, im Vorfeld des Amerikanischen Bürgerkrieges. Flora heiratet einen reichen Plantagenbesitzer, aber es fällt ihr schwer, sich in die Welt der Pflanzer-Aristokratie einzugewöhnen.
Von ihrem Ehemann fühlt sie sich unverstanden und ihre Schwiegermutter lässt kein gutes Haar an ihr.
Eines Tages begegnet sie dem charmanten Gavin Pears, einem Soldat aus dem Norden, der in Charleston stationiert ist.
Flora ist von dem Mann hingerissen und lässt sich auf eine riskante Liebesbeziehung mit ihm ein. Doch ist die junge Frau geschaffen für ein Leben aus Lügen und Geheimnissen?
Das schlechte Gewissen quält sie zunehmend. Aber auch die sich verschärfenden Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden belasten ihre Liebe.
Sie treffen eine Entscheidung, doch das Schicksal hat längst entschieden.


Buch

 

Samstag, 30. September 2017

Helena Baum, Die dreckigen Dreißiger


Coole Zusammenarbeit mit Helena Baum, deren Buch ich lektorieren durfte!

"The dirty thirties" wie man so sagt oder traue keinem über dreißig. Am wenigstens dir selbst. So schaut's aus.
Nein, ganz so läuft es nicht, aber wenn man als Frau mal die dreißig überschritten hat, stellt sich oft die Frage; "Was tun mit dem Rest des Lebens?"
Und darum geht es hier in dem Roman, der knackig, humorig, dramatisch und erkenntnisreich ist.

Klappentext:  Romy ist Single mit Kind, Roberta lebt mit Mann und Zwillingen und Florence mit Mama. Sie sind in ihren "dreckigen Dreißigern", wie der Barmann aus der Kneipe, in der sie sich freitags treffen, amüsiert feststellt.
So sehr sie ihre Suche nach Glück eint, so unterschiedlich sind ihre Vorstellungen davon. Florences kurzes Glück führt zu Robertas Lebenserdbeben. Romy verliebt sich so, dass all ihre Sicherheiten über Bord fliegen müssen. Die Lebens- und Liebessehnsüchte der Frauen führen zu Verwicklungen, die diese Freundschaft auf harte Proben stellt.
Drei Frauen, drei Schicksale. Alle haben den Mut, sich auf die pralle Packung Leben einzulassen: Suchen-Finden-Verlieren, sich aufrappeln und weitermachen.


Buch

 

Dienstag, 1. August 2017

... also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends - Victoria Suffrage

Was für eine Geschichte!
Endlich ist Victoria Suffrages wunderbares Werk zu haben! Das solltet ihr lesen! Michael Lohmann und ich hatten die große Freude, es zu lektorieren. Und es war wirklich eine Freude! Spannend noch dazu, denn 2 Lektoren, geht das denn? In unserem Fall geht das, wir waren selbst erstaunt über die flockig-lockere, dennoch aufrichtige und strenge Arbeit zu dritt.
Es hat einen traurigen Hintergrund, dass wir den Auftrag erhielten, ein großartiger Lektor, ein feiner Mensch, ist nicht mehr. Und wir wollten sehr ordentlich in Gedanken an ihn, Dieter Paul Rudolph, arbeiten, der vom Regenbogen hoffentlich gütig zu uns herabnickt. 

Die Klappe:  "Melde gehorsamst, ich bin blöd, Herr Oberlajtnant." ... meint Paul, knapp an die achtzig, mit Sonnenschein im Herzen und manchmal auch im Kopf. Obwohl das Leben ein Arschloch ist. Muss ja weitergehen, irgendwie. Seine Frau Lissy ist gestorben, wartet auf ihn "nachm Regenbogen um sechs Uhr abends". Und die 43-jährige Tochter schreit. Fast immer. Besonders, wenn Nuschi nicht da ist, das Katzenviech.
Könnte er aushalten, gäbe es nicht die teuflische Nachbarin. Oder ist sie der siebenköpfige Drache? Wenigstens ist da Alex, sein Winnetou und Altenpfleger mit Hingabe und Humor.
Dann ist Nuschi weg und es bleiben nur noch zwei Tage, bis Alex für immer gehen will.
Paul und Alex machen sich auf. Mit einer Kühltasche. Eine Abschiedsreise nach Prag zur Moldau?
Unterwegs lernen sie einen Tschechen kennen, den falschen "Gott".
Wird es die letzte Reise sein? Weiß Vojtech die Antwort auf alle Fragen, und welches Geheimnis bedrückt Alex?



 Das Buch

Montag, 31. Juli 2017

Eine Frau kämpft für ihren Traum - Verena Dahms

Hurra, ein schönes Buch!
 
Mit Freude kann ich berichten, dass die Arbeit mit Verena Dahms an ihrem neuen Roman nun vollbracht ist. Erfreulich ist auch, dass wir gut miteinander ausgekommen sind und das Werk von Arbeitsrunde zu Arbeitsrunde immer ausgereifter und eleganter wurde.
Es ist eine besondere Geschichte, kein alltägliches Buch. Fernab des Üblichen, mit sanfter Hand, erzählt Verena Dahms eine dramatische Geschichte von Obsession, Liebe und Schmerz.

Klappentext: 1956 flüchtet Anna Horvath zusammen mit ihren Eltern vor den sowjetischen Truppen aus Ungarn in ein Bergdorf in der Schweiz. Sie wächst in zwei Welten auf. Ein Zwiespalt entwickelt sich in ihr. Wo gehört sie hin? Ist Ungarn ihre Heimat oder die Schweiz, ihr neues Zuhause? Anton, ein Nachbarjunge, hilft ihr, im Dorf Fuß zu fassen, im Laufe der Zeit entwickelt sich Zuneigung, ja Liebe.
Doch Anna bleibt getrieben, rastlos, schafft es nicht anzukommen. In ihrer Not entdeckt sie zunächst das Zeichnen, dann das Malen. Damit findet sie ihre Bestimmung, ihr Glück - eine andere Art von Heimat. Ein Kunstagent wird ihr Mentor, sie verlässt das Bergdorf, und später erlangt Anna durch die internationale Anerkennung als Kunstmalerin endlich Akzeptanz. Aus dem Flüchtlingskind von einst wird eine gefeierte Persönlichkeit.
Besessen malt Anna bis zur Selbstaufgabe, verkraftet dadurch Schicksalsschläge, in die sie sich hinein manövriert hat, und obwohl sie immer wieder an Anton, ihre Jugendliebe denkt, schiebt sie ihn und das Leben selbst beiseite.
Ob sie jemals erkennt, dass die Liebe zu einem Menschen wertvoller ist als die Leidenschaft zur Kunst?

 
Zum Buch
  

 
Die Autorin dazu, wofür ich mich sehr bedanke:
Ich möchte mich heute auf diesem Weg bei zwei Menschen ganz herzlich bedanken. Sie haben mit dazu beigetragen, dass mein Anna-Buch am letzten Freitag erfolgreich veröffentlicht werden konnte.
Mein Dank geht an Elsa Rieger, meine Lektorin, für Ihre wichtigen und kreativen Beiträge und ihren Überblick über das Ganze, sodass die Geschichte rund und geschmeidig wurde.
An meine Cover-Designerin Daylin Art, die mir für meine Geschichte das wundervolle Cover gebastelt hat.

 
Viel Erfolg, Verena!

Samstag, 13. Mai 2017

Tolles Feedback zu Text-Check

Das ist mal wirklich erfreulich für Michael Lohmann und mich, die "Text-Checker" auf Facebook. Wir lesen 10 - 15 Seiten Ihres Manuskripts gratis (weil's uns Freude macht) und geben ehrliche, manchmal auch unterschiedliche Einschätzungen als Lektoren dazu ab. So eine Antwort ist was Feines.


Vielen Dank!
An den seitlichen Ausführungen und auch an Eurer Einschätzung am Schluss merkt man schnell, dass Ihr Profis seid. Selbstverständlich werde ich die vorgeschlagenen Änderungen (megalange Schachtelsätze sind sogar für mich zu „zach“; wirken auf Leser sicher noch abstoßender/verwirrender) vornehmen bzw. Fehler korrigieren.Danke auch für die Hinweise bez. Logik- Fehlern (meine zweite Schwäche, die ich selten allein erkennen kann).

Ich hab noch nie Angst vor Kritik gehabt und bin davon überzeugt, dass man von jeder (konstruktiven) was lernen kann; ich glaube ohne Übertreibung, dass ich von Eurer am meisten profitieren werde. Und natürlich freut es mich, dass es gut angekommen ist! … Ihr habt mir wirklich extrem geholfen. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann revanchieren kann, weil ich weiß, welchen Wert eine Expertise Eures Kalibers hat. Menschen, die mir weitergeholfen haben, vergesse ich nie.
LG, Markus Reischl


Ihnen vielen Dank, Herr Reischl! 

Samstag, 26. November 2016

Text-Check

Was können Sie vom Text-Check erwarten - und was nicht?
 

Da können wir helfen.
Sie sitzen über einem Manuskript, haben schon einiges zu Papier gebracht – und Sie wollen wissen, was Profis von Ihrer Arbeit halten. Zu uns beiden, zu Elsa Rieger und Michael Lohmann, lesen Sie weiter unten mehr.
 
Ihr Genre.
Es ist uns einerlei, in welchem Genre Sie schreiben. Es ist uns einerlei, ob Sie schon fünf Bücher veröffentlicht haben oder gar keines. Es ist uns auch einerlei, ob Ihr Werk im Finalstudium ist oder Sie erst 68 Seiten beschriftet haben. Wir lesen und bearbeiten alles. Außer irgendwelchen Dreck.
 
Ihre Erkenntnis.
Wenn Sie unsere Anmerkungen gelesen haben, sollten Sie daraus ersehen können: Bin ich auf dem Holzweg – oder vielleicht nur auf dem Holzweglein? Taugt mein Werk überhaupt etwas? Ist der Ansatz falsch? Mache ich übertrieben viele Fehler grammatischer Natur oder vom Geschichten-Aufbau her? Wo kann ich besser werden? Welche Marotten schleichen sich in meine Sprache ein? Wo muss ich genauer werden, wo bin ich zu ausführlich? Und ja, wir sind aus Erfahrung sicher sagen zu können, ob Ihr Werk auf dem Markt eine Chance hat oder eher weniger.
 
Unser Ansinnen.
Nein, wir haben kein finanzielles Interesse, Sie unterschreiben auch keinen Vertrag, Sie gehen keinerlei Verpflichtungen ein. Sie profitieren von unserer Arbeit, im allerbesten Fall. Wir können Ihnen aber in etwa sagen, was ein Lektorat kosten würde – und das muss nicht das Lektorat durch einen von uns sein. Besser gesagt: Wenn Sie Ihr Werk einer Kollegin übergeben, sollten Sie mit einem Seitenpreis in einer der Kostengruppen ›Gut machbar‹ oder ›Erhöhter Schwierigkeitsgrad‹ oder ›Harte Nuss‹ rechnen, wie hoch auch immer der Kollege Lektor diesen Seitenpreis für die Arbeit ansetzt.
 
Wie schnell wir sind.
Jeder von uns liest Ihre Seiten. Wir rechnen damit, dass wir Ihnen binnen weniger Tage unsere Einschätzung zukommen lassen. Unsere Anmerkungen finden Sie im Manuskript, siehe unten, Stichwort: ›Word, Überarbeiten‹. Sie haben Verständnis dafür, dass wir danach nicht noch ausführlicher werden können.

Und die Öffentlichkeit.
Wenn Sie einverstanden sind, machen wir Ihr Werk und unsere Überarbeitung auf unserer FB-Seite öffentlich. Dazu drei Anmerkungen. Erstens, nein, das ist keine Bedingung. Zweitens, natürlich anonymisieren wir Sie auf Wunsch. Und drittens, wer weiß, ob das Ihrem Werk nicht einen ungeahnten Schwung gibt.
 
Was nicht geht.
Wir lassen uns nicht ein zur Vermarktung, zum Cover, zum Umgang mit Verlagen. Wir geben auch keine Tipps, ob Sie ein … oder welches Lektorat Sie nehmen sollten. Wir sind lediglich dies: ein MÜVProbob, ein ›Manuskript-Überwachungs-Verein auf Pro-bono-Basis‹, wenn Sie so wollen.
 
Sie schicken.
Wir erwarten von Ihnen zehn Normseiten Ihres Werks im Format ›Word‹ oder ›Papyrus‹. Sie sollten mit der Funktion ›Überarbeiten‹ unter Word vertraut sein.
 
Und das sind wir.
 
Michael Lohmann http://www.worttaten.de/
 
 

Montag, 24. Oktober 2016

Schreibtisch-Tipp 4

Schreibmaschine von Karen Blixen



Anfänge

Liebe Autorinnen und Autoren,

Ich denke, wir sind uns einig, dass es grandiose Romananfänge in der Weltliteratur gibt. Der Anfang und da der erste Satz ist der "Hook" - der Angelhaken, mit dem der geschätzte Leser gefangen wird und unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Den auszuwerfen, ist Kunst. Auch darin sind wir uns gewiss einig.
Gerühmte Anfänge können Sie nachlesen bei Tolstois "Anna Karenina", Melvilles "Moby Dick", Grass' "Der Butt" und vielen anderen großen Schriftstellern.

Am Beispiel eines meiner Lieblingsanfänge möchte ich Ihnen gern nahebringen, warum erste Sätze Hammer sein sollten, Neugier erwecken müssen und bloß nicht ausufern dürfen.

"Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß der Ngong Berge."

So eröffnet Tania (Karen) Blixen ihren autobiografischen Roman:
Afrika, dunkel lockende Welt - vielen besser bekannt unter dem Titel "Jenseits von Afrika", wie er auch als Film heißt.

Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß der Ngong Berge - ein klarer Satz, wunderbar, mit so viel Inhalt! 
Warum?
Es ist ein ganz einfacher Satz; er besteht aus Subjekt, Prädikat, Objekt mit Verortung. Punkt - Aus.
Aber!!! Was kann ein so simpler Satz alles beinhalten! In hohem Maß regt er - eben durch seine Schlichtheit - die Fantasie der Leserschaft an:

Ich - Wer "ich"? Mann oder Frau?
Ich hatte - Aha, jetzt also nicht mehr. Was ist passiert?
Ich hatte eine Farm - Okay, Farmen sind eher exotisch für unsere Breiten. Farmen produzieren. Was wird dort angebaut, gezüchtet?
Ich hatte eine Farm in Afrika - Oh! Wow, Afrika! Vorm inneren Auge der Leser steigen Bilder auf: Löwen! Gazellen, grelle Sonne, Staub, Menschen in bunten Gewändern, Musik, Savanne, Affenbrotbäume etc.. Eine Frage bleibt, die wir nur durchs Weiterlesen klären können: Wo in Afrika?
Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß der Ngong Berge. - Ah ja? In Geografie Bewanderte wissen das, viele vermutlich nicht (also ich wusste es nicht), jedoch wird allen ein Bild aufsteigen vom Fuß der Irgendwie-Berge. Es regt die Vorstellungskraft durchaus an: Hohe schneebedeckte Gipfel oben, Hitze unten - so in der Art des bekannten Kilimandscharo - ein tolles Bild!

Wenn das kein "Hook" ist, dann weiß ich auch nicht.
Ein kurzer Satz mit genauer Beschreibung der Situation, herrlich. Aber Achtung, die Betonung liegt auf "genau"! 
Ein Satz wie: "Eine rote Blume leuchtete ihr entgegen.", der ist nix. Denn das ist ungenau. Jeder stellt sich eine andere Blumenart vor, ein anderes Rot. Dem einen fällt die Rose ein, dem anderen die Tulpe, das ist, mit Verlaub, zu wenig. Die Wirkung entsteht durch die Genauigkeit.

Probieren Sie es, viel Spaß mit Ihrem 1. Satz.  
 
Merke: »Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.« William Faulkner 

Bis bald,

Elsa Rieger
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